Weinzubehör
- Was braucht der Weinkenner, um einen guten Tropfen vollendet
genießen zu können? Den Besitz eines ausgezeichneten
und anständigen Weines einmal vorausgesetzt!
Für Kenner sind einige wenige Utensilien unverzichtbar, um
die in der Flasche verborgenen Geheimnisse – Duft und Aromen-
vor dem Genießen zur vollen Entfaltung bringen zu können.
" Schade, dass man Wein nicht streicheln kann"
sagte einmal Kurt Tucholsky.
Das geht leider nicht! Aber ein schönes Glas mit gutem Wein
in den Händen halten zu können, kommt der Erfüllung
dieses Wunsches vielleicht ein wenig näher. Dabei spielt
die Wahl des Glases nicht nur für das „Fühlen
des Weines“ eine große Rolle.
Tatsächlich können die Form des Glases und seine Beschaffenheit
direkt beeinflussen, wie der Geschmack von unserer Zunge aufgenommen
wird. Dies gilt besonders dann, wenn man einen exzellenten Wein
degoutieren möchte. Grundsätzlich sollten alle Gläser,
egal ob für Sekt, Weißwein oder Rotwein verwendet,
sich nach oben hin verjüngen, eine sogenannte Tulpenform
aufweisen. Dazu sollten sie möglichst dünnwandig sein.
Das ist wichtig, damit das Bouquet nicht vorschnell entweichen
und stattdessen konzentriert zur Nase gelangen kann. Auch kann
darin der Wein besser geschwenkt werden. Das Schwenken erlaubt
den Aromen sich vollständig zu entfalten. Damit genug Raum
für das Schwenken bleibt, sollte das Glas immer höchstens
bis zur Hälfte gefüllt werden.
Weingläser
brauchen einen Stiel zum Anfassen, damit sich die Wärme der
Hand nicht auf den Wein überträgt. Um die Farbe des
Weines, ein wichtiges Beurteilungsmerkmal, unverfälscht und
ungestört betrachten zu können, sollte das Glas außerdem
klar und farblos sein.
Hohe, schlanke Gläser, die sogenannten Flöten, sind
beispielsweise für Sekt ideal. Hieraus können sich die
aufsteigenden Perlen nicht so schnell verflüchtigen, wie
das bei breiteren Gläsern das Fall wäre und das Aroma
kann sich besser konzentrieren.
Für komplexere Rotweine, mit hohem Tannin- und Alkoholgehalt,
aber auch für einen im Barrique ausgebauten Chardonnay sind
dagegen große Kelchgläser der geeignete Rahmen. Hier
können beim Schwenken die kostbaren Düfte herausgelockt
werden und der Wein Raum zum Atmen bekommen. Ein Weinkenner sollte
immer eine Auswahl von verschiedenen Gläsern vorrätig
haben.
Zum Öffnen der Weinflaschen wird selbstredend
ein Korkenzieher benötigt.
Es gibt unzählige Formen und Modelle, langfristig wird sich
aber die Anschaffung eines wirklich guten Handwerkzeuges bezahlt
machen, mit dem man stilvoll an die Köstlichkeiten im Inneren
kommt.
Von der Firma Screwpull
beispielsweise, wurden Korkenzieher entwickelt, bei denen die
Metallspindel mit einer patentierten Teflonschicht überzogen
ist. Diese sorgt für ein leichtes Eindringen in den Korken.
Das mindert die Gefahr, dass der Korken in der Flasche zerbröselt.
Korkenreste im Glas trüben nicht nur den Wein, sondern auch
den Genuss. Der erfahrene Weinkenner wird zudem die Kapsel immer
professionell mit dem Kapselschneider entfernen. Die Kapsel, das
ist die metallene Schutzhülle, die den Korken vor dem Austrocknen
schützen soll. Egal welchen Korkenzieher Sie sich kaufen,
achten Sie bitte immer darauf, das der Korkenzieher eine sogenannte
"Seele" besitzt.
Rotwein
sollte man vor dem Servieren dekantieren und atmen lassen. Unter
diesem Begriff versteht man ganz allgemein das Umgießen
des Flaschenweins in ein anderes Gefäß. Man sollte
den Wein dabei langsam aus der Flasche in eine größere
Karaffe umgießen. Notwendigerweise muss es sich dabei nicht
um eine teure, geschliffene Kristallkaraffe handeln. Jeder einfache
Krug tut es auch. Aber ein edles Gefäß gereicht jeder
festlichen Tafel zur Ehre und ist dann Teil des Tischschmucks
der die Augen erfreut.
Entscheidend aber ist, dass der Wein durch das Dekantieren die
Möglichkeit bekommt, mit der Luft in Berührung zu kommen.
Dies ist besonders bei jüngeren Rotweinen wichtig. Sie werden
dadurch milder und runder und können ihre Aromen besser entfalten.
Bei älteren Weinen sorgt das Dekantieren dafür, eventuell
vorhandenen Bodensatz wie Gerb—und Farbstoffablagerungen,
die sich bei längerer Lagerzeit in der Flasche bilden können,
zu trennen. Übrigens kann dieser Bodensatz auch Depot genannt,
nach dem Durchsieben noch als Basis einer delikaten Sauce verwendet
werden.
Reifere Weine sollten eigentlich nicht dekantiert werden, weil
zu viel Sauerstoff diesen Weinen schaden kann und oft die Gefahr
des „Umkippens“ besteht.
Wenn zur Trennung des Depots diese Wein trotzdem dekantiert werden
sollen, empfehlen sich aber auf jeden Fall spezielle Dekantierkaraffen,
die sich nach oben stark verjüngen und der Luft damit wenig
Angriffsfläche bieten.
Weißweine sollten dagegen nicht dekantiert werden. Ihnen
tut das mehr an Sauerstoff in der Regel nicht besonders gut.
Aber viel Wichtiger ist es, den Wein
mit der richtigen Temperatur zu servieren. Ein Weinthermometer
kann dabei sehr hilfreich sein. Es gibt verschiedene Ausführungen,
vom klassischen Thermometer, das in den geöffneten Flaschenhals
getaucht wird, bis zur Manschette, die um den Flaschenhals gelegt
die Temperatur misst.
Diese Methode ist zwar nicht so genau, aber einfacher zu benutzen.
Vor allem kann man damit die Temperatur von ungeöffneten
Flaschen messen.
Grundsätzlich gilt, je kälter der Wein ist, umso stärker
treten die harten und holzigen Noten und je wärmer er ist,
die lieblichen und eher fruchtigen Nuancen in den Vordergrund.
Um beim, im Eichenfass gereiften, Chardonnay zu bleiben. Dieser
würde bei Kühlschranktemperatur von ca. 3 Grad nur nach
Holz und Säure schmecken. Die fruchtigen Aromen würden
nicht zum Tagen kommen. Aber ansonsten schmeckt Weißwein,
der zu warm ins Glas kommt langweilig und nichtssagend.
Daraus kann der Weinliebhaber ableiten, dass je leichter, frischer
und holzbetonter der Wein ist, umso kühler er getrunken werden
kann. Volle, körperreiche Rotweine hingegen sollten nie in
den Kühlschrank gestellt werden, sondern immer mit Zimmertemperatur
serviert werden.