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Die ungarische Küche besteht
nicht nur aus Gulasch
Zur
ungarischen Küche gibt es eine Reihe von tief verwurzelten
Meinungen, die trotz aller Bemühungen um Richtigstellung
nicht zu verändern sind. Hierzu gilt die Annahme, dass Paprika
seit eh und je das wichtigste Kennzeichen magyarischer Gerichte
sei. In Wirklichkeit berichten ungarische Kochbücher zu Beginn
des 19. Jahrhunderts noch überhaupt nicht über dieses
Gewürz, das wahrscheinlich erst populär wurde, als die
Gefahr einer türkischen Bedrohung endgültig verschwunden
war. Wenn Paprika auch zu den Pflanzen gehört, die wir der
Entdeckung des neuen Kontinents zu verdanken haben, so breitete
sich das Gemüse, beziehungsweise das Gewürz, schon in
Ländern des osmanischen Reiches aus, bevor es in Ungarn aufgenommen
wurden.
Ein anderer grosser Irrtum liegt bei der Definition von Gulasch.
Schon zwischen Schreibweise und Aussprache gibt es Missverständnisse.
Das ungarische Gericht schreibt sich GULYÁS, wird Gujasch
gesprochen und ist - im Gegensatz zu dem, was wir kennen - eine
fleischhaltige Hirtensuppe. Abgeleitet von der ursprünglichen
Herstellungsart, nennt man es auch Kesselgulasch. Was wir in westlichen
Ländern unter diesem Namen auf den Tisch bekommen, heisst
auf ungarisch PÖRKÖLT. Je nachdem wie es zubereitet
ist, kann es auch ein PAPRIKÁS (das "s" am Schluss
wird immer wie "sch" gesprochen) oder ein TOKÁNY
sein. Hiermit sind schon wesentliche Bestandteile der ungarischen
Küche genannt.
Über Details aus der ursprünglichen ungarischen Küche
weiss man relativ wenig, das heisst, es sind nur Überlieferungen
von höfischen Tafeln bekannt, deren Gerichte weitgehend schon
fremden Einflüssen unterlagen. Auf alle Fälle wurde
in dem Land gut gekocht, denn ungarische Köche - und hier
gehen die Überlieferungen viel weiter zurück - waren
bereits vor Jahrhunderten berühmt. Neben den aufgezählten
Fleischgerichten ,bei denen die verwendete Fleischart durchaus
verschieden ist, ja sogar aus Wild bestehen kann, gibt es eine
Vielzahl schmackhafter Speisezubereitungen, denen man verschiedene
Einflüsse zuschreibt.
Aus der magyarischen Urzeit, als das Volk aus asiatischen Gebieten
einwanderte, dürfte mit Sicherheit die Hirtensuppe - das
Kesselgulasch - stammen, die erst im 19. Jahrhundert ihren Paprikazusatz
bekam. Auch manche Teigwaren und die Art ihrer Zubereitung lassen
auf eine sehr alte Überlieferung schließen.
Wesentliche westliche Impulse erhielt die ungarische Küche
durch die Vermählung des berühmten Königs Matthias
mit einer neapolitanischen Königstochter im ausgehenden 15.
Jahrhundert. Königin Beatrice brachte eigene Köche ins
Land, passte die Speisenfolge ihrem Vaterhaus an und sorgte für
die Einfuhr neuartiger Ingredienzien und Zubereitungsarten.
Neben den italienischen Einflüssen erhielt die ungarische
Küche durch die Bevölkerung Siebenbürgens auch
rumänische Elemente. Beispielhaft dafür ist der Krautwickel
mit Sahne. Schliesslich übernahm man von den Türken
die Vorliebe für Paprika und Kaffee. Die ungarische Gebäck-
und Süsswarenkultur stammt von einwandernden Italienern,
und der Einfluss der österreichischen Küche fand hier,
wie bei manchen anderen warmen Gerichten, seinen Niederschlag.
Die eigentliche Entdeckung der ungarischen Küche durch den
Westen erfolge erst durch die Weltausstellung 1878 in Paris, als
Budapester Köche für kulinarische Sensationen sorgten.
Will man die wesentlichen Merkmale dieser Küche zusammenfassen,
so gilt folgende Formel: Vorliebe für Suppen und Eintöpfe,
Tendenz zum Andicken mit Mehlschwitzen, Sahne oder in neuerer
Zeit auch mit schärfefreiem Paprika. Bevorzugung von Schmalz
als Brat- und Schmorfett erfolgt weitgehend durch küchentechnische
Verfahren, in dem Einbrennen verschieden stark gebräunt,
ebenso Zwiebeln von hell- bis dunkelbraun angebraten oder die
Speisen am Schluss mit Sahne verfeinert werden. Bevorzugte Gemüse
sind neben Zwiebeln Tomaten und Paprika.
Rezept Paprikahähnchen
PAPRIKÁS CSIRKE
2 Brathähnchen von insgesamt 1,2 kg
2 Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
2 Essl. Schweineschmalz
2 Essl. Delikatess-Paprikapulver
1 Tasse Hühnerbrühe
1/8 l saure Sahne
1 Teel. Salz
1/2 Teel. weisser Pfeffer
Die Hähnchen waschen, jedes in 4 Teile
zerlegen und die Hähnchenteile trockentupfen. Die Zwiebeln
und die Knoblauchzehe schälen und sehr fein würfeln.
Das Schmalz in einer grossen Pfanne erhitzen, die Hähnchenteile
einlegen und von allen Seiten gut bräunen. Die Geflügelstücke
aus der Pfanne nehmen, das Fett bis auf einen kleinen Rest abgiessen
und die Zwiebeln im verbliebenen Schmalz goldgelb braten. Das
Paprikapulver und die Hühnerbrühe unterrühren.
Die Hähnchenteile wieder zurückgeben und bei geschlossenem
Deckel bei schwacher Hitze in etwa 30 Minuten weich schmoren.
Zuletzt die saure Sahne unterrühren und die Sauce mit dem
Salz und dem Pfeffer abschmecken. Dazu schmeckt: Salzkartoffeln
oder Reis und frischer grüner Salat.
500 g Tomaten
500 g grüne oder gelbe Paprikaschoten
1 grosse Zwiebel
50 g fetter Speck
2 Teel. Paprikapulver, edelsüss
1/2 Teel. Salz
2 Messersp. Pfeffer
Die Tomaten häuten und vierteln. Die
Paprikaschoten halbieren, die Kerne und Rippen herausnehmen, waschen
und die Schotenhälften quer in Streifen schneiden. Die Zwiebel
schälen und kleinwürfeln. Den Speck in Würfel schneiden
und in einem Topf glasig braten. Die Paprikastreifen zugeben und
mit den Zwiebelwürfeln 5 Minuten dünsten. Dann die Tomatenviertel
in den Topf geben, das Paprikapulver unterrühren. Das Gemüse
mit dem Salz und dem Pfeffer würzen und zugedeckt bei schwacher
Hitze ca. 30-40 Minunten sehr weich kochen. Dabei ab und zu umrühren.
LECSÓ zu Reis und Rühreiern, Omeletts, gebratenen
Debrecziner oder anderen Würstchen reichen.
Guten Appetit
Lassen Sie sich
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