Die
englische Küche besitzt außerhalb Großbritanniens
den Ruf, zum Einen etwas gewöhnungsbedürftig zu sein,
zum Anderen aber auch nicht leicht verdaulich zu sein.
Doch gerade die alte traditionelle englische Küche und die
durch Migranten aus Ländern des ehemaligen britischen Weltreiches
beeinflusste neuere englische Küche bieten gelungene Kombinationen
aus heimischen und exotischen Zutaten und Gewürzen.
Im 19. Jahrhundert hatte die englische Küche auf dem europäischen
Kontinent ein sehr hohes Ansehen. Selbst die geschmacksverwöhnten
Franzosen waren von der "cuisine anglaise" begeistert.
Gerade dann, wenn es darum ging, ein geschmackvolles und deftiges
Gericht zu zubereiten. Den Briten fiel es damals auf Grund der
zahlreichen Kolonien in Übersee im Gegensatz zu den anderen
Kolonialmächten sehr leicht sämtliche exotische Gewürze
zu beschaffen. Nachdem die Kolonien verloren gingen, ging es mit
der Beliebtheit der englischen Küche bergab. Erst durch den
Einfluß vor allem indischer, chinesischer und afrikanischer
Einwanderer, aber auch durch Neuinterpretationen der alten Küche
gewann die englische Küche an Beliebtheit wieder zurück.
In der traditionellen englischen Küche ist die Kombination
von Fleisch, Kartoffeln und anderen Gemüse sehr weit verbreitet.
Dort nennt man es meat and two veg. Das bekannteste Gericht in
dieser Kombi ist das sog. sunday roast. Es wird meist Sonntags
als Mittagessen zubereitet. Dabei handelt es sich um dünn
geschnittene Fleischscheiben, die mit Kartoffeln und verschiedenen
Gemüse serviert wird. Das Fleisch ist meistens Roastbeef
(gebratenes Rindfleisch). Aber auch Schweinefleisch oder Lammfleisch
wird dazu verwendet. Als Gemüse werden häufig Erbsen
beigegeben, doch auch Blumenkohl, Brokkoli oder Karotten werden
gerne zugegeben. Die Kartoffeln werden geschält und halbiert
mit Öl bestrichen und im Backofen geröstet. Als zusätzliche
Beilage wird zumeist der aus Nordengland stammende Yorkshire-Pudding
gegessen.
Rezept Sunday Roast:
Die Zubereitung dieses typisch englischen Gerichts ist nicht schwer.
Man nimmt Eier, Milch, Mehl und Fett. Diese Zutaten werden zu
einem Teig angerührt, der sehr flüssig sein muss. Zur
geschmacklichen Verbesserung sollte dem Teig noch etwas Salz,
Pfeffer und Petersilie zugegeben werden.
Wenn er ca. 30 Minuten geruht hat, wird er in zuvor eingefetteten
und erhitzten Pasteten-Formen gegeben. So kann der Teig aufgehen.
Beim sunday roast wird er im selben Backofen wie das Roastbeef
gebacken.
Er steht dabei stets unter dem Fleisch, wobei der Bratensaft in
den Pudding tropft.
Man kann Yorkshire-Pudding auch als Nachspeise servieren. Dabei
wird er alleine im gebacken und mit Konfitüre oder Gelee
(traditionell mit Zuckersirup) verspeist.
Eine sehr wichtige Zutat für englische Gerichte ist die Kartoffel.
In England werden Kartoffeln sehr häufig mit der ganzen Schale
und mit Öl bestrichen im Backofen gegart. Man spricht dann
von sog. baked potatoes.
Die dafür im Handel erhältlichen Kartoffeln sind sehr
groß und können roh bis zu 200 Gramm wiegen. Auch die
englische Variante der bekannten Pommes frites, dort Chips genannt,
sind wesentlich größer als Pommes frites und haben
auch eine andere Form. Sie sind wichtiger Bestandteil des bekannten
Gerichts "fish and chips".
Der frittierte Fisch und die Chips sind ein sehr schmackhaftes
Essen in England.
Kartoffeln werden in England aber auch zu Kartoffelbrei (mashed
potatoes) verarbeitet. Man benutzt in vor allem zur Zubereitung
von verschiedenen Gerichten. Am bekanntesten ist dabei das weitverbreitete
Gericht mit dem Namen "Bubble and squeak". Kartoffelbrei
wird mit zerstampften meist grünem Gemüse vermischt
und in der Pfanne angebraten. Als Beilage dient dabei oft kaltes
Bratenfleisch.
Auf den Britischen Inseln ist es üblich, zweimal am Tag warm
zu essen. Deshalb ist das Frühstück auch oft eine warme
Mahlzeit.
Fried eggs (Spiegeleier), fried mushrooms (gegrillte oder gebratene
Pilze bzw. Champignons), bacon(gegrillter oder gebratener Schinken),
oder sausages(Würstchen) sind nur einige Gerichte die auf
der Insel zum Frückstück verzehrt werden.
Auch der Bereich der Süßspeisen hat in England eine
lange Tradition und wird heute noch gerade als Dessert oder in
der Vorweihnachtszeit gereicht.
Crumble:
Bekannt sind in England die sog. Crumbles. Es handelt sich hierbei
mit Streuseln überbackene Früchte. Besonders gern wird
dabei Rhabarber verwendet. Die Zubereitung für diese in Deutschland
noch relativ unbekannte Süßspeise ist nicht sonderlich
kompliziert.
In einem Topf wird Zucker bei schwacher Hitze kandiert. Dann gibt
man den in Stücke zerschnittenen Rhabarber hinzu. Er kocht
darin so lange, bis er weich ist. Er darf aber nicht zerfallen.
Die Streusel werden aus einem zu gleichen Teile bestehenden Gemisch
aus Zucker, Mehl und Butter hergestellt.
Zur Geschmacksverbesserung werden noch etwa ein Zehntel der Masse
Amaretti diesem Teig zugemischt.
Man gibt die Früchte in eine Backform und streut die Streusel
darüber.
Anschließend wird der Crumble etwa 15 Minuten im Backofen
goldbraun gebacken. Statt den Streuseln werden in England aber
auch Nüsse, Kekskrümel oder Haferflocken als Überzug
verwendet.
Serviert wird diese Süßspeise immer heiß und
mit einer Soße aus Sahne und Ahornsirup.
Beliebt sind auch die Mince Pies, mit Früchten gefüllte
Kekse aus Blätterteig oder Mürbeteig. Zu Weihnachten
wird auch der bekannte Christmas-Pudding, auch Plumpudding genannt,
gegessen. Er besteht aus einer Vielzahl von Trockenfrüchten,
Nüssen und Fett. Zudem wird er noch mit Alkohol, meist Brandy
getränkt. Wenn er dann aus dem Ofen kommt, wird er direkt
am Tisch mit Brandy übergossen und flambiert. Verzehrt wird
er außerdem oft mit der sog. Brandy Butter, einer süßen
Soße. Die Rezeptur dieses Puddings ist in fast jeder Region
Englands anders.