|
 |
Bier zuhause selber brauen |
|
Bier
- ein Jahrhunderte altes alkoholisches und kohlensäurehaltiges
Getränk. Die Grundzutaten sind Wasser, Malz und Hopfen. Durch
Gärung entsteht dann das beliebte Getränk, wobei meist
noch Hefe beigesetzt wird um den Gärvorgang kontrolliert
auslösen zu können. Bier selber brauen ist eigentlich
recht einfach und das Schöne ist, dass man ganz nach eigenem
Geschmack und Vorlieben selber verschiedenen Rezepte ausprobieren
kann. Natürlich benötigt man im Vorfeld diverse Geräte
und Zutaten - am besten geeignet sind die sogenannten Starterkits,
die extra für das Bier brauen in den eigenen Wänden
angeboten werden, aber auch mit anderen einfachen Mitteln ist
das heimische Brauen möglich - benötigt werden auf alle
Fälle ein sehr großer Kochtopf mit mindestens 25 Litern
Fassungsvermögen und ein kleinerer Topf, ein langer Kochlöffel,
ein Eimer mit Deckel für das Gären, eine Thermometer
bis 110 Grad Celsius, eine Stoffwindel oder ein grobes Leinentuch
zum Filtern, einen Messbecher, eine kleine Gießkanne, Bierspindel
und verschließbare Flaschen und Trichter zum Abziehen. Die
Zutaten sind Leitungswasser, 5 kg Malzschrot, 40 g Hopfen und
obergärige Bierhefe für einen halben Liter (eine Tüte)
- diese Zutaten werden in vielen verschiedenen Online-Shops angeboten,
die sich darauf spezialisiert haben Heimbrauer zu unterstützen.
Wenn nun alles Nötige beisammen ist, kann es losgehen.
Maische brauen
Als erstes werden circa 20 Liter Wasser in dem großen Topf
auf eine Temperatur von 50° Celsius erhitzt. Nun wird das
Malzschrot möglichst ohne Klumpen in das Wasser eingerührt.
War es schwierig schon geschrotetes Malz zu bekommen, kann man
das Malz auch in einer Kaffeemühle selber zu Schrot verarbeiten
(Mälzen). Bei der sogenannten Einmaischung wird das Wasser
nun eine halbe Stunde konstant auf 50° Celsius gehalten -
wichtig ist ständig umzurühren, da die Maische gleichbleibend
temperiert sein muss. Nun werden die im Schrot enthaltenen Eiweiße
durch Enzyme aufgespaltet, was Eiweißrast genannt wird.
Verzuckerungsrast
Die Temperatur wird jetzt ganz leicht auf circa 63° Celsius
für eine Stunde erhöht. In diesen 60 Minuten wird die
Stärke in Zucker umgewandelt, was auch erste Verzuckerungsrast
genannt wird. Bei der zweiten Verzuckerungsrast wird die Temperatur
noch einmal um 10 Grad angehoben - auf 73° Celsius und auch
hier werden noch einmal 60 Minuten mit genauer Temperaturüberprüfung
verbracht. Nun wird die Temperatur langsam auf 78° Celsius
erhöht und wieder ständig umgerührt.
Abläutern
Nun wird der Topf mit der Maische in den Eimer über dem das
Windeltuch befestigt ist, ausgekippt. Wichtig dabei ist, das Tuch
sicher zu befestigen da das nasse Schrot doch recht schwer ist.
Das sogenannte Abläutern kann eine Stunde dauern, um etwas
nachzuhelfen kann man den "Treberkuchen" (zerkochtes
Malzschrot) auch vorsichtig mit einem Löffel zerdrücken.
Ist die ganze Würze im Eimer, muss noch ein Nachguss über
den Treber geschüttet werden um alle Zuckerbestandteile auszuwaschen.
Hierfür werden ungefähr vier Liter Wasser wieder auf
78° Celsius erhöht und mit der Gießkanne vorsichtig
über das Windeltuch geschüttet. Nun kommt die Bierspindel
zum Einsatz - gemäß der Gebrauchsanleitung der Spindel
wird nun überprüft ob die Stammwürze (Zuckerkonzentration)
reicht oder ob nochmals etwas erwärmtes Wasser zum Ausspülen
des Treberkuchens benötigt wird. Ungefähr bei 12 Prozent
sollte der Wert der Stammwürze liegen.
Eindampfen
Nun wird der große Topf ausgewaschen und die gefilterte
Würze darin umgefüllt, sie wird solange erhitzt bis
sie leicht blubbernd kocht und die Temperatur bei 100° Celsius
liegt. Nach zehn Minuten wird das Hopfen dazu gegeben und die
Würze sollte nun eine Stunde kochen wobei viel verdampfen
wird - ungefähr 6 Prozent der gesamten Würze sollten
eindampfen. Während die Gewürzmenge nun vor sich hin
kocht, wird in dem kleinen Topf das Windeltuch ausgekocht und
der Plastikeimer sterilisiert - es ist wichtig, dass nun alle
Gerätschaften sehr sauber sind um Infektionen mit bierschädlichen
Bakterien zu umgehen.
Heißtrub-Abscheidung
Jetzt folgt die "Heißtrub-Abscheidung", dabei
wird die Würze nochmals wie im ersten Durchgang gefiltert
und der Eimer danach verschlossen und einen Tag an einem kühlen
Ort gelagert.
Gärung
Hat die Würze dann eine Temperatur von 19° Celsius wird
die Hefe zugeführt und die eigentliche Gärung beginnt.
Die Hefe wandelt den Zucker in der Würze in Kohlendioxid
und Alkohol um. Nach dem die Gärung abgeschlossen ist (die
Dauer ist vom Rezept abhängig), wird das Jungbier entweder
in die Flaschen abgefüllt (auch andere Behälter sind
möglich) und gelagert.
Die Möglichkeiten Bier selber zu brauen sind sehr unterschiedlich
und vielfältig. Für Neueinsteiger lohnen sich Bierkits
- das sind Starter-Sets, die mit ausführlichen Anleitungen
alles beinhalten was für die ersten Bierbrau-Versuche nötig
ist. Wichtigste Tugend beim Bier brauen ist Geduld, denn sicher
werden erst einmal einige Versuche nötig sein bis das Bier
die gewünschte Farbe und den erhofften Geschmack hat - doch
nach einem gelungenen und erfolgreichem Durchlauf ist es sicher
ein ganz besonderes Erlebnis sein eigenes gebrautes Bier kosten
zu können.
In Büchern und im Internet existieren Unmengen an verschiedenen
Brau-Rezepten, die sicherlich für jeden Geschmack etwas bereithalten.
Zum Beispiel gibt es das sogenannte Altbier (meist nur Alt genannt),
eine dunkle und obergärige Biersorte. Hauptsächlich
wird Altbier in Düsseldorf und Umgebung getrunken, wobei
die Brauerei Diebels wohl die bekannteste Alt-Brauerei sein dürfte.
Aber auch zuhause ist es möglich Altbier herzustellen - für
10 Liter Bier benötigt man einen großen Topf mit mindestens
15 Litern Fassungsvermögen und Deckel, einen 10 Liter Kochtopf,
einen Kochlöffel, ein Partyfass, Thermometer und zwei Windel-
oder Leinentücher. Zutaten sind 2 kg dunkles Malz, ein halbes
Kilogramm helles Malz, 30 g Hopfen, 300 g obergärige Flüssighefe
und eine kleine Flasche mit Kaliumjodidlösung.
Rezept für Altbier:
Es werden acht Liter Wasser mit dem Malzschrot in den großen
Topf gegeben, der nun auf 40° Celsius erwärmt wird -
auch hier wieder das ständige Rühren nicht vergessen.
Nach dem Erreichen der Temperatur lässt man alles 15 Minuten
ruhen. Danach wieder unter Rühren auf insgesamt 65° Celsius
für 40 Minuten erhöhen (erste Verzuckerungsrast). Nun
die Maische wieder umrühren und auf 72° Celsius erhöhen
und wieder 40 Minuten warten. Ist diese zweite Verzuckerungsrast
vorbei, eine kleine Probe auf einen Teller geben und mit dem Jod
testen ob sich Malzzucker gebildet hat. Wenn sich die Lösung
gelb verfärbt, ist alles in Ordnung - sollte die Lösung
bläulich bleiben, kann alles weggekippt werden und man muss
von neuem beginnen. Nun wird die Maische noch einmal kurz auf
78° Celsius erhöht und schon kann das Abläutern
beginnen. Durch das Tuch hindurch wird der Sud in das Partyfass
gefiltert und mit weiteren acht Litern erwärmtes Wasser (wieder
78° Celsius) wird auch der letzte Rest aus dem Treiberkuchen
gespült. Nun wird der leere Topf ordentlich gereinigt und
die Würze wird darin aufgekocht. Wenn der Sud kocht, werden
ungefähr 15 g des Hopfen dazu gegeben unter gelegentlichem
Rühren sollte alles 70 Minuten vor sich hin blubbern. Zwischendrin
mal mit dem Deckel verschließen und circa 5 Minuten vor
Ende wird der Rest des Hopfens beigegeben. Nun wird die Würze
mit Hilfe des zweiten Tuches wieder in das steril gereinigte Fass
gefiltert und möglichst schnell an einem kalten Ort auf 14°
bis 22° Celsius herunterkühlen lassen. Jetzt kann man
mit der Bierspindel den Stammwürzegehalt ermitteln und die
obergärige Flüssighefe dazukippen. Kräftig umrühren
und mit einem Deckel 24 Stunden auf Einsetzen der Gärung
warten, sollte sich in dieser Zeit kein hellbrauner Schaum oben
absetzen, war alles umsonst. Dieser Schaum, auch "Kräusen"
genannt, sollte einmal täglich abgeschöpft werden und
nach drei Tagen wird das Jungbier in Flaschen umgefüllt.
Diese werden stehend gelagert und neun Tage lang einmal täglich
geöffnet um den Druck entweichen zu lassen. Am zehnten Tag
können die Flaschen dann in den Kühlschrank gestellt
werden und müssten eigentlich rein theoretisch sogar trinkbar
sein.
Rezept für Pils:
Die Herstellung von Pils läuft ganz ähnlich ab - für
20 Liter Bier braucht man 4 kg Pilsner Malz, 200 g Gerstenflocken
und 60 g Hopfen. Bei 35° Celsius werden 17 Liter Wasser eingemaischt,
die erste Eiweißrast erfolgt 15 Minuten lang bei 55°
Celsius und die zweite bei 64° Celsius und für 40 Minuten.
Nun auf 72° Celsius 20 Minuten lang (eventuell Jodprobe machen)
und danach auf 78° Celsius für 20 Minuten erhitzen (erste
und zweite Verzuckerungsrast). Nun wieder alles filtern (14 Liter
Wasser für den Nachguss) und die Würze 90 Minuten lang
erneut vor köcheln lassen und Hopfen in zwei gleichen Teilen
am Anfang und kurz vor Ende des Eindampfens hinzugegeben. Die
Gärung kann dann bis zu 12 Tage dauern und nachdem man sein
Pilsener in Flaschen abgefüllt hat, sollte man sechs Wochen
warten bis das Bier genießbar ist.
Ein sogenanntes Braubuch ist nützlich um alle Aktivitäten
und Rezepte zu dokumentieren, außerdem sind nur 200 Liter
selbstgebrautes Bier im Jahr steuerfrei und dieses Buch hilft
alle Brau-Versuche detailliert festzuhalten und eventuelle Überschreitungen
der 200 Liter beim Zoll anzumelden.
Bier selber brauen ist eine einfache aber zeitaufwendige Sache
und man sollte sich dabei schon in Geduld üben - doch Fakt
ist, dass es ein ganz besonderes Ereignis ist sein eigenes Bier
in den Händen zu halten und kosten zu können.
|
|
Lassen Sie sich
von den Cocktail Ideen inspirieren und entdecken Sie die Freude am Mixen.
bestimmt haben auch Sie ein Rezept für die Leser von www.rezepte-nachkochen.de
|
|
Der Bierkonsum ist in Deutschland ungebrochen
|
|
 |
|